06.09.2019 - Frank Löper

Wasserrettung: DLRG kritisiert Sichtweise der Kommunen

Die Wasserrettung ist ein wichtiger Aufgabenbereich der DLRG Sachsen-Anhalt.
Die Wasserrettung ist ein wichtiger Aufgabenbereich der DLRG Sachsen-Anhalt.
Sachsen-Anhalts Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Sitz in Halle übt Kritik an der aktuell aufkeimenden Diskussion über die Wasserrettung am Geiseltalsee im Saalekreis. „Ich bin sehr verwundert über die noch immer vorherrschenden Ansichten der Bürgermeister aus den Anrainergemeinden, die beim Thema Wasserrettung nach wie vor ausschließlich auf ihre Feuerwehren setzen“, so DLRG-Landesgeschäftsführer Holger Friedrich.

Die DLRG sei seit vielen Jahren am Geiseltalsee vor allem im Strandbad Stöbnitz tätig. „Und dabei haben wir zumindest aus unserer Sicht eine gute Visitenkarte abgegeben“, so Friedrich. Schon deshalb könne er nicht nachvollziehen, dass der Einsatz speziell ausgebildeter Wasserretter und deren im Vergleich zur Feuerwehr deutlich besseren Wasserrettungstechnik erst gar nicht ins Spiel gebracht werde. „Hier sehen wir Gesprächsbedarf“, erklärt Friedrich.

DLRG lehnt private Rettungskette ab
Anfang August wurde die Wasserrettung am Geiseltalsee in einem Beitrag der Mitteldeutschen Zeitung thematisiert. Darin hatte der Unternehmer Uwe Gibson von der Müchelner Segelschule und dem Bootsverleih „Skippertreff“ Kritik an der Einsatzzeit der Feuerwehren aus Mücheln und Braunsbedra geübt und eine privat organisierte Rettung für den Geiseltalsee über eine den See umspannenden Rettungsnummer vorgeschlagen. „Wenn die Feuerwehren mit der Wasserrettung überfordert sind, stellt sich uns als auf diesem Gebiet speziell aufgestellte Hilfsorganisation natürlich die Frage, warum die DLRG seit Jahren nur zu oft in der Zuschauerrolle ist“, so Friedrich. Er wisse, dass die Feuerwehren immer mehr Aufgaben im Auftrag ihrer Kommunen übernehmen müssten. „Das führt bei den dünnen Personaldecken freilich schnell zur Überlastung der Kameradinnen und Kameraden“, meint Holger Friedrich. Umso wichtiger sei es aus seiner Sicht, die Aufgaben breiter zu verteilen und die Zusammenarbeit von Feuerwehr und DLRG zu intensivieren. „Vor allem, wenn es um spezielle Themen wie die Wasserrettung geht. Wir wollen dabei auf keinen Fall eine Konkurrenzsituation schaffen“, stellt Friedrich klar. Eine privat organisierte Rettungskette lehnt er jedoch ab. „Es kann nicht Ziel sein, mit einem solchen System Profis zu Zuschauern zu machen.“

DLRG begrüßt Erste Hilfe Ausbildung für Bürger
Unternehmer Gibson erwähnte in seinem Vorschlag die Möglichkeit zur Erste-Hilfe-Ausbildung für Personen, die in den Häfen und auf dem Campingplatz tätig sind. Friedrich greift das auf: „Lebensrettende Sofortmaßnahmen können von Jedermann erlernt und bei Notfällen angewendet werden. Umso mehr Bürger rund um den Geiseltalsee in der Ersten Hilfe ausgebildet sind, desto größer ist bei Unfällen die Wahrscheinlichkeit für eine ununterbrochene Rettungskette, bei der sogenannte Ersthelfer mindestens unterstützende Hilfe leisten können.“ Auch präventiv wüssten mehr Bürger, die selbst in Gefahr geraten, wie sie sich im Gefahrenmoment richtig verhalten sollten. Die DLRG ist anerkannte Ausbildungsorganisation in der Ersten Hilfe und begrüßt jede Möglichkeit, mehr Bürger für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.

Gespräche bisher ohne Lösungen
Die DLRG weist in diesem Zusammenhang noch einmal mit Nachdruck darauf hin, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche mit den Bürgermeistern vor allem aus Mücheln, Braunsbedra und Frankleben geführt worden seien, um die Gemeinden zu einer Zusammenarbeit mit der DLRG zu animieren. „Wir wünschen uns hier konkrete Ambitionen, um das Problem Wasserrettung auf dem gesamten Geiseltalsee zu lösen. Lange Zeit war auch nicht klar, wer für die Sicherheit auf dem See verantwortlich ist. Letztlich wurde nur ins Spiel gebracht, dass der Einsatz der DLRG zusätzlich Geld kosten würde“, erklärt Friedrich mit Blick auf die vergangenen Jahre. Das Problem sei immer wieder hin und her geschoben und verdrängt worden. „Letztendlich kamen immer wieder die Feuerwehren als alleiniges Allheilmittel ins Spiel“, so Friedrich.

DLRG steht für Fortschreibung des Konzepts bereit
Der DLRG-Landesgeschäftsführer regt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion erneut an, die Gespräche zwischen der Hilfsorganisation und den Anrainergemeinden wieder aufzunehmen und das den Kommunen seit Jahren vorliegende DLRG-Konzept zur Wasserrettung fortzuschreiben und den aktuellen Bedingungen anzupassen. „Wir stehen den Gemeinden und dem Landratsamt gern zur Seite und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit“, so Holger Friedrich.