29.10.2019 - SPORTJUGEND

Aufstehen gegen Hass und Hetze!

Bei ihrem Hauptausschuss in Hamburg am 26.10.2019 hat der dsj-Vorstand ein klares Statement gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus abgegeben, dem wir uns vorbehaltlos anschließen.

Die erschütternden Vorfälle rechter Gewalt, zuletzt hier bei uns in Halle, ziehen Kreise. Das Bewusstsein dafür, wie wichtig Demokratieförderung und Weltoffenheit für unser Zusammenleben sind, hat die Deutsche Sportjugend in ihrem Hauptausschuss zum Anlass genommen, Stellung zu beziehen, ihre klare Position gegen Rassismus und Antisemitismus nochmal deutlich zu unterstreichen. Diese Stellungnahme aus dem Vorstand möchten wir euch nicht vorenthalten, denn wir schließen uns ihr in vollem Umfang an:

„Im Handlungsfeld „Sport mit Courage“ werden die Aktivitäten der dsj zur Demokratieförderung zusammengeführt. Das Themenfeld bearbeitet die Deutsche Sportjugend für den gesamten organisierten Sport, also auch den DOSB, seit nun mehr als 15 Jahren. Die dsj beteiligt sich aktiv in bundesweiten Netzwerken im und über den Sport hinaus. Die dsj ist als Gründungsmitglied des IDA e.V. ständig in dessen Vorstand vertreten, beteiligt sich an den Internationalen Wochen gegen Rassismus, im Netz gegen Rassismus, dem Netzwerk interkultureller Jugendverbandsarbeit und Forschung und dem Forum gegen Rassismus. Durch die AG „Sport mit Courage“, die als Beratungsgremium vom dsj-Vorstand einberufen wurde, findet eine direkte Anbindung innerhalb der Sportstrukturen statt.
Im Programm Zusammenhalt durch Teilhabe des BMI koordinieren wir bundesweit die Sportprojekte und haben 50 Demokratietrainerinnen und -trainer ausgebildet. Wir stellen seit 2018 die Geschäftsstelle des „Netzwerks Sport & Politik – für Fairness, Respekt und Menschenwürde“. Seit 1993 ist die Koordinationsstelle Fanprojekte, die KOS, bei uns angesiedelt und koordiniert heute 62 Fanprojekte in Deutschland. Wir versuchen über unseren Ordner „Sport mit Courage“ den Vereinen und Verbänden konkrete Hilfestellungen zu den vielfältigen Fragen rund um die Themen Diskriminierung und rassistische Konflikte im gemeinnützigen, organisierten Sport zu geben. Und ich darf Euch trotz all dieser tollen Projekte mit weit über die Maßen leidenschaftlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas sagen:

Es reicht nicht. Es reicht nicht annähernd. Es reicht auch nicht mehr, die nächste Resolution oder das nächste Grundsatzpapier zu verabschieden und in die Mailboxen dieser Welt zu verschicken. Wir erleben eine Gesellschaft, in der die Grenze des Sagbaren stetig und zielgerichtet geplant unter dem Deckmantel bürgerlichen Handelns immer weiter nach Rechts außen verschoben wird. Meinungsfreiheit wird konsequent mit „Das wird man wohl noch sagen dürfen, aber widersprechen darf mir niemand!“ verwechselt. Politikerinnen, Politiker und Aktivisten, die klare Kante zeigen, werden bedroht, es werden Anwaltskanzleien auf sie gehetzt und ja, es gab auch schon Todesfälle. In Halle hat am 9. Oktober ein rechtsextremer Neonazi versucht, ein Massaker in einer Synagoge anzurichten und im Anschluss zwei unschuldige Menschen hingerichtet. Wir haben seit Jahren ein massives Problem mit rechtsextremer Gewalt in diesem Land. Es sitzen Neonazis in unseren Parlamenten und treiben ihre menschenverachtende Agenda voran. Sportvereine werden gezielt von Rechtsextremisten unterwandert und dadurch aufs Übelste missbraucht. Jetzt mag auf den ersten Blick die Frage berechtigt sein: warum erzählt der uns das und was geht uns das heute hier beim Hauptausschuss der Deutschen Sportjugend an?
Eine ganze Menge!
Wir sind mit 10 Millionen Kindern und Jugendlichen die größte und mit Abstand heterogenste zivilgesellschaftliche Bewegung in diesem Land. Der Sport ist das effektivste und schönste Mittel, Kindern und Jugendlichen, egal woher sie kommen, Werte zu vermitteln – Werte wie Toleranz, Weltoffenheit, Respekt – Werte, die es selbstverständlich machen, gegen Gewalt, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und gegen Rechtsextremismus aufzustehen und sich zu wehren. Jeder einzelne von uns trägt nicht nur die Fähigkeiten, diese Werte zu vermitteln, in sich – sondern vor allem die verdammte Verantwortung, dies auch zu tun. Deshalb sind wir alle gefragt – an unseren Stammtischen im Vereinsheim, in der Bahn, auf dem Sportplatz, an der Kasse im Supermarkt und im Stehplatzblock im Stadion – ja, das ist anstrengend und macht auch nicht immer Spaß – aber es ist notwendig!

Liebe Freundinnen und Freunde,
nutzt Eure Fähigkeiten, nutzt Eure Netzwerke, nutzt Eure Strahlkraft, nutzt die Kraft des Sports! Darum bitte ich Euch, darum bitten wir Euch! Steht auf gegen Hetze – seid laut gegen Rassismus und Antisemitismus! Vielen Dank!“
- Benny Folkmann, 2. Vorsitzender der dsj stellvertretend für den gesamten dsj-Vorstand