19.10.2016 - DOSB

Spitzensportreform: Sport zeigt Schulterschluss

Siegried Kaidel, Alfons Hörmann und Andreas Silbersack (v.l.) erläuterten der Presse die Ergebnisse der Tagung mit den Spitzenfachverbänden zum Thema "Leistungssportreform". (Foto: DOSB)
Siegried Kaidel, Alfons Hörmann und Andreas Silbersack (v.l.) erläuterten der Presse die Ergebnisse der Tagung mit den Spitzenfachverbänden zum Thema "Leistungssportreform". (Foto: DOSB)
Das aktuell wohl am meisten diskutierte Thema im deutschen Sport ist die bevorstehende Spitzensportreform in Deutschland. Am 18. Oktober diskutierten rund 120 führende Vertreterinnen und Vertreter der Spitzenverbände und der Landessportbünde im Haus des deutschen Sports in Frankfurt am Main über den aktuellen Stand des Entwurfs der Reform.

Die Gespräche, an denen zum Abschluss auch der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern (BMI), Ole Schröder, und der BMI-Abteilungsleiter Sport, Gerhard Böhm, teilnahmen, nannte DOSB-Präsident Alfons Hörmann „intensiv, aber auch konstruktiv“. Dabei seien zum Teil auch Sorgen und Bedenken geäußert worden. Aber im Verlauf der Diskussion habe sich mehr und mehr gezeigt, „dass der Schulterschluss zwischen Spitzenverbänden und Landessportbünden, dem Bund, den Ländern, den DOSB-nahen Organisationen einen großen Wert an sich darstellt“.
„Einen vergleichbaren Schulterschluss über so viele Verbände und Arbeitsgruppen hinweg hat es zu Zeiten des DOSB noch nicht gegeben, und auch nicht bei seinen Vorgängerorganisationen“, sagte Hörmann. Noch sei das gemeinsam erarbeitete Konzept nur ein Entwurf, der verändert und angepasst werde. Aber die gemeinsame Zielstellung, vor zwei Jahren mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière verabschiedet, dem Leistungssport für die Zukunft Rückenwind zu verleihen, werde damit mehr und mehr greifbar und sichtbar. Dabei, so räumte Hörmann ein, seien noch zahlreiche Fragen offen. Insbesondere über die beiden Themen „Olympiastützpunkte“ und „Wissenschaftliches Verbundsystem“ sei noch nicht abschließend beraten worden. Die große Runde sei in der Erkenntnis auseinandergegangen, dass noch viel zu tun sei, um bis zur Mitgliederversammlung des DOSB am 3. Dezember in Magdeburg „so weit wie möglich Klarheit zu schaffen“ und einen gemeinsamen Beschluss für die dann folgenden Schritte zu fassen.
Bis dahin steht an heutigen Mittwoch (19. Oktober) noch eine öffentliche Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages auf dem Programm, am 26. Oktober folgt die nächste Beratungsrunde mit Minister de Maizière. Bereits an diesem Wochenende (22./23. Oktober) steht das Thema auch auf der Tagesordnung der Sitzung der Ständigen Konferenz der Landesssportbünde.
„Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Schritt eines neuen Leistungssportkonzepts die Stärken des deutschen Sportsystems erfolgreich fortführen und die Schwachstellen, die an der einen oder anderen Stelle erkennbar sind, minimieren und vielleicht sogar beseitigen können“, sagte der DOSB-Präsident nach der Sitzung.

Das BMI hat viele Fragen beantwortet
Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Sprecher der Konferenz der Olympischen Spitzenverbände, nannte die lebhaften und offenen Gespräche den richtigen Weg. Jetzt wolle man gemeinsam mit starker Stimme auch in die Beratungsgremien und schließlich in die Mitgliederversammlung gehen. Das Wichtigste aus Sicht der Fachverbände, so Kaidel: „Das BMI hat viele Fragen beantwortet, und wir haben jetzt einen sehr klaren Blick, wie es weitergeht.“
Kernpunkt des neuen Konzepts soll sein, dass künftig sollen nicht mehr zurückliegende Ergebnisse, sondern zukünftiges Erfolgspotenzial geprüft werden und im Mittelpunkt stehen soll. Er glaube, dass nach diesen zwei Tagen Diskussion viele Bedenken ausgeräumt worden seien, sagte Kaidel. „Es ist so, dass wir keinen fallen lassen. Nur: Man muss halt seine Hausaufgaben machen.“
Auch aus Sicht der Landessportbünde sei wesentlich, „dass der Sport mit einer Stimme spricht“, sagte der Sprecher der Landessportbünde, Andreas Silbersack, der von einem „Meilenstein“ sprach. Dabei komme den Landessportbünden eine besondere Aufgabe zu: „Nicht mehr und nicht weniger als die Verzahnung der föderalistischen Förderung.“ Die LSB müssten also die Spitzensportförderung mit der Förderung der Länder verbinden. „Wie schwer das ist, haben wir in der Vergangenheit leidensvoll im Bereich Bildung erlebt“, sagte Silbersack. Aber er habe den Eindruck gewonnen, „dass die Partner einschließlich des BMI richtige Wege nach vorne gehen wollen“.

 Hier gibt es Antworten auf die brennensten Fragen zum Thema Reform im Spitzensport: