24.01.2018 - Frank Löper

Wuppertaler Handicap-Kletterer greifen nach den Sternen

ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Interview mit Vertretern des Siegervereins aus Wuppertal.
ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Interview mit Vertretern des Siegervereins aus Wuppertal.
Der „Große Stern des Sports in Gold“ geht in diesem Jahr an die Wuppertaler Handicap-Klettergruppe „Die GäMSen“. Mit dem Angebot „Trotz Rollstuhl an die Kletterwand“ zeigt die Sektion Wuppertal des Deutschen Alpenvereins (DAV), was mit körperlicher Beeinträchtigung alles möglich ist. Den zweiten Platz holte sich der Judo-Club Kim-Chi Wiesbaden mit dem Engagement „Bewegung macht schlau – Opfer, nein danke!“. Der dritte Platz geht an den Verein „Laufen hilft“ aus Leipzig für sein Projekt „Sportlich aktiv und sozial engagiert“.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, der bereits seit 2004 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken für das besondere ehrenamtliche Engagement von Sportvereinen verliehen wird, übergab Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) am 24. Januar in Berlin.
„Besser kann man Inklusion nicht leben: Menschen mit und ohne Behinderung klettern gemeinsam, sichern sich gegenseitig, verlassen sich aufeinander und erfahren dabei nicht nur Glücksgefühle und große Zufriedenheit, sondern eröffnen sich wechselseitig völlig neue Horizonte“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann zum Siegerverein. „Raus aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft. In diesem Fall werden Menschen trotz ihrer Einschränkungen mit all ihren Möglichkeiten als gleichwertige Partner akzeptiert. Es ist ein herausragendes Beispiel, wie der Sport wertvolle soziale Brücken baut“, so Hörmann weiter.
Die inklusive Handicap-Klettergruppe „Die GäMSen“ gründete sich Bereits im Jahr 2013 in der Sektion Wuppertal des Deutschen Alpenvereins. Durch sie erfahren viele Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen ein Gemeinschaftsgefühl, das ihnen im alltäglichen Leben oft verwehrt bleibt. Zuerst waren es an MS erkrankte Menschen, die ihren Alltag im Rollstuhl verbringen müssen, die an der Kletterwand ein neues Bewegungsgefühl erfahren konnten. Gesichert werden sie durch ehrenamtliche Helfer und Helferinnen, oftmals aus dem Familien- und Freundeskreis. Am Anfang wurde nur in der Halle geklettert, mittlerweile stehen jährliche Fahrten in die echten Berge auf dem Vereinsprogramm. Das Engagement wurde bei der Volksbank im Bergischen Land eG eingereicht.
Den zweiten Platz holte sich der Judo-Club Kim-Chi Wiesbaden. Die Hessen waren mit dem Engagement „Bewegung macht schlau – Opfer, nein danke!“ im Finale vertreten. Er hat ein Bewegungs- und Selbstverteidigungskonzept für Kita- und Grundschulkinder entwickelt. Eingereicht wurde diese Initiative bei der Mainzer Volksbank eG.
Der Verein „Laufen hilft“ aus Leipzig wurde mit seinem Engagement „Sportlich aktiv und sozial engagiert“ Dritter. Dabei handelt es sich um einen Frauenlauf mit sozialem Hintergrund in Leipzig, der 2010 ins Leben gerufen wurde. Mit dem jährlich stattfindenden Lauf-Event wird auf das Thema häusliche Gewalt gegen Mädchen und Frauen aufmerksam gemacht. Der Erlös des Frauenlaufs kommt dem 1. Autonomen Frauenhaus zugute – Frauen laufen für Frauen. Das Engagement wurde bei der Leipziger Volksbank eG eingereicht.
Bei der Preisverleihung waren insgesamt 17 Vereine aus ganz Deutschland dabei. Sie hatten sich mit ihren Initiativen zuvor in zwei Jury-Runden auf lokaler und regionaler Ebene durchgesetzt und damit für das große Finale in Berlin qualifiziert.
Sachsen-Anhalts Vertreter, der BRSV Sine Cura Quedlinburg e.V. aus dem Kreissportbund Harz, konnte sich mit seinem Projekt „Landeswinterspiele für Behinderte und Ihre Freunde“, die der Verein seit nunmehr 25 Jahren ausrichtet, über einen tollen vierten Platz und ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro freuen. Erste Gratulanten der Quedlinburger vor Ort waren LSB-Präsident Andreas Silbersack und Sachsen-Anhalts Sportminister Holger Stahlknecht.