11.02.2021 - Frank Löper

10 Jahre Projekt „Menschlichkeit und Toleranz im Sport“

MuT-Projektleiterin Maria Tiborski.
MuT-Projektleiterin Maria Tiborski.
„Wir werden Themen wie Demokratieerziehung, Gewaltprävention und Umgang mit politischem Extremismus noch stärker als bisher in den Fokus unserer Arbeit rücken.“ Dieses Zitat des damaligen Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten des LSB Sachsen-Anhalt, Andreas Silbersack, stammt aus dem August 2010. Seinerzeit sah sich der Landessportbund erstmals mit dem Thema politischer Extremismus im Sport konfrontiert. Daraufhin wurde Anfang Februar 2011 das Landesprojekt „Menschlichkeit und Toleranz im Sport“ (MuT) ins Leben gerufen, das in diesem Monat auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann.

Das vom Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ seitens des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat geförderte Projekt ist mit der Zielstellung angetreten, die demokratischen Strukturen im Sport des Landes Sachsen-Anhalt zu stärken und politischem Extremismus in den Mitgliedsvereinen des LSB keine Chance zu geben. „Das MuT-Projekt zeigt jetzt über ein Jahrzehnt hinweg, wie viel man mit kontinuierlicher Präventionsarbeit und Konfliktberatung erreichen kann. Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitstreiter leisten eine unverzichtbare Arbeit für unsere Sportstrukturen und damit für die gesamte Gesellschaft“, würdigt LSB-Vorstandsvorsitzender Tobias Knoch die Projektarbeit.
Die Projektverantwortlichen haben in zehn Jahren ein ehrenamtliches Netzwerk im ganzen Bundesland aufgebaut. Mehr als 50 ehrenamtlich tätige Demokratietrainer*innen und Konfliktmanager*innen im Sport wurden in dieser Zeit ausgebildet. Vor Ort werden sie vor allem präventiv tätig. Sie führen Bildungs- und Beratungsangebote in den LSB-Mitgliedsvereinen durch und sensibilisieren unter anderem angehende Übungsleiter*innen und Trainer*innen zum Thema. Seit 2010 gab es so inzwischen mehr als 500 Fallberatungen bei Mitgliedern, Vereinen und Gliederungen des LSB Sachsen- Anhalt.
Mehr als acht Jahre leitete Helge Tiede das MuT-Projekt. Wenn er sagt: „Ich bin überzeugt, dass wir immer versuchen sollten zu integrieren, statt auszuschließen“, spricht aus ihm die Erfahrungen einer Vielzahl von Vereinsberatungen. Als Meilenstein in der Projektarbeit bezeichnet er die Verankerung der Projektinhalte in der Rechts- und Verfahrensordnung des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt. Bei unsportlichem Verhalten geht es hier jetzt nicht nur Geldstrafen oder Sperren, sondern auch um die Verpflichtung zur Teilnahme an einem Fair Play-Workshop.
Doch das Aufgabenfeld des Projektes ist inzwischen noch wesentlich breiter gefächert. Es reicht von Spielbeobachtungen bei Punkspielen von Mannschaftssportarten über die anonyme Beratung von Betroffenen und die Vermittlung zwischen Konfliktparteien bis zur Unterstützung der Arbeit von Vereinen in strukturschwachen Regionen im ländlichen Raum. „Wir sehen den Sport als einen ganz wichtigen Schlüssel zur demokratischen Teilhabe in den ländlichen Regionen,“ sagt Maria Tiborski, die seit diesem Monat neue Projektleiterin des MuT-Projektes ist. Sie tritt damit die Nachfolge von Helge Tiede an. Maria ist schon einige Jahre als Regionalkoordinatorin im Projekt dabei und hat vielfältige Erfahrungen im Umgang mit den Menschen vor Ort sammeln können. „Hier geht es vor allem darum, zuzuhören, Probleme aufzunehmen und Partner zusammenzubringen. Ganz wichtig bei unserer Arbeit vor Ort ist auch die Anerkennung und Wertschätzung dessen, was die Menschen zumeist ehrenamtlich in ihren Gemeinden auf die Beine stellen“, sagt Maria. Hier arbeiten oft Sportvereine, Schulen, Kindertagestätten, die Kirchengemeinde und private Bürgerinitiativen eng zusammen und finden unkomplizierte Lösungen. „Das ist gelebte Demokratie! Und hier kann das Projekt dann auch kleinere finanzielle Unterstützung geben“, so Maria weiter. Natürlich wird sie in ihrer Arbeit immer wieder auch mit politisch extremen Positionen konfrontiert. „Wir wollen die Leute nicht belehren, wir versuchen ihre Aussagen und Positionen zu hinterfragen“, schildert sie ihren Lösungsansatz.
Ihr Kollege Stephan Matecki ist als Regionalkoordinator für den Norden Sachsen-Anhalts zuständig. Wenn man mit ihm über seine tägliche Arbeit spricht, fällt immer wieder der Begriff Fair Play. Für Stephan, der eng mit dem Fußballverband des Landes zusammenarbeitet und sich selbst ehrenamtlich für seinen Heimatverein in Tangermünde engagiert, ist das der Schlüssel zum Erfolg. „Der Sport steht für demokratische Werte wie Fair Play, Toleranz und respektvollem Miteinander. Hier steckt großes Potenzial, diese Werte zu vermitteln und zu festigen“, ist Stephan überzeugt. Dabei spielt die Aus- und Weiterbildung eine große Rolle. Hier arbeitet das Projekt eng mit den Mitgliedsverbänden des LSB zusammen. Dazu gibt es diverse Vereinsangebote von Fair-Play-Workshop bis zur Moderation von Vereinsdialogen.
Die Aufgabengebiete des Landesprojektes MuT sind sehr vielfältig und die Arbeit der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Projektmitarbeiter*innen ist auch in den nächsten Jahren wichtiger denn je…

Gefördert wird das Projekt Menschlichkeit und Toleranz im Sport vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, durch das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt und das Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen- Anhalt.