23.12.2020 - Alfons Hörmann

Verantwortung zeigen, solidarisch handeln!

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (Foto: DOSB)
DOSB-Präsident Alfons Hörmann (Foto: DOSB)
Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,
alles, was er über Solidarität wisse, sagte Albert Camus einmal, habe er im Sport gelernt. Gemeinschaftsgeist ist auch in Sportdeutschland gefragt wie nie zuvor, denn ein in vielfacher Hinsicht herausforderndes Krisenjahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Corona-Pandemie hat unsere rund 90.000 Sportvereine und die 27,8 Millionen Mitglieder in den zurückliegenden zehn Monaten vor die härteste Prüfung seit Jahrzehnten gestellt.

Sehr schnell war in der Abschätzung der wirtschaftlichen wie inhaltlichen Folgen für Vereine, Verbände und Ligen zu erkennen, dass die Auswirkungen der gesundheitspolitisch notwendigen Auflagen und Einschränkungen umso gravierender sein würden, je länger das Virus unser Land und die ganze Welt im Griff hält. Der Einsatz für den Sport in der Pandemie begann als anspruchsvolles Hürdenrennen, bei dem einige Hindernisse überwunden werden konnten: der Spielbetrieb und die Geschäftstätigkeit in Profiligen wurden gesichert, die Olympia- und Bundeskader im deutschen Spitzensport konnten frühzeitig zurück in Training und Wettkampf, die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio wurden um ein Jahr verschoben.

Die Folgen für die gemeinwohlorientierten Sportvereine hingegen zeigten sich erst nach und nach, anfangs als feine Risse, später als tiefe Gräben – auf der einen Seite unter hohem ehrenamtlichen Engagement die Wertevermittlung fortzusetzen und im Verein neben sportlichen Inhalten auch weiterhin Angebote für die Gesellschaft zu erbringen und auf der anderen Seite der Abwägung, was angesichts des Infektionsgeschehens zuletzt noch machbar war. Besonders hart trifft der wiederholte Lockdown im Sport die Schwächsten. Kinder und Jugendlichen fehlt die empfohlene tägliche Dosis an Bewegung, Austausch und Lebensfreude, wertvoller Reha-Sport und wichtige Präventionsprogramme liegen brach und fehlen als stabilisierender Anker für Viele. Es mehren sich die Meldungen aus den Vereinen und Landessportbünden, die einen deutlichen Mitgliederschwund verzeichnen und einen spürbaren Verlust beim ehrenamtlichen Einsatz prognostizieren. Aus dem Profisport stimmen wirtschaftliche Ausblicke mehr als nachdenklich., so rechnet die DFL allein für den Profifußball mit einem Corona-bedingten Umsatzverlust von zwei Milliarden Euro binnen zwei Jahren. Und dennoch birgt die Einschränkung für den weltweit einzigartig verbreiteten und vorbildlichen Vereinssport in unserem Land wohl das größte Gefahrenpotential. Die für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt unbezahlbaren 90.000 sozialen Tankstellen in unseren Vereinen werden in ihrer Struktur erheblich geschwächt, wenn nicht aktive Hilfe zur Selbsthilfe gesichert wird.

Damit wird die aktuelle Situation zu einem Leistungstest für alle, denen der Sport viel bedeutet. Übernehmen wir als größte gesellschaftliche Gemeinschaft unseres Landes Verantwortung und tragen wir bis zum Ende der Einschränkungen den Rahmen mit, den die staatbürgerliche Vernunft uns setzt! Nutzen wir jedoch zugleich die Chancen, die uns bleiben: auf allen Ebenen - von den Verbänden, den Landessportbünden und den Vereinen bis zum DOSB - warten digitale Angebote darauf, abgerufen und aktiv umgesetzt zu werden. Stehen wir gerade in schweren Zeiten zu unserem Verein, geben wir unsere Mitgliedschaft oder freiwilliges Engagement auch in ganz besonderen Zeiten nicht auf.

Wenn wir diese Krise solidarisch bewältigen und gemeinsam unsere bewährten Strukturen für die Zukunft bewahren, werden wir schon bald und dauerhaft wieder Sport für alle organisieren, Kinder, Jugendliche und Erwachsene aktiv in Bewegung bringen, mit Sport uns selbst und andere motivieren und die Massen faszinieren und begeistern können.

Bleiben Sie Ihrem Sport und SPORTDEUTSCHLAND treu und bleiben Sie gesund. Ich wünsche uns Allen ein friedliches Weihnachfest und ein gesundes und aktives Sportjahr 2021.

Ihr Alfons Hörmann
Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V.