20.05.2021 - Frank Löper

Dem Sport in der politischen Debatte mehr Gewicht verleihen!

Genau 18 Tage sind es noch bis zu der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Viele Bürgerinnen und Bürger des Landes sind noch unentschlossen, welcher Partei sie am 6. Juni ihre Stimme geben. Für Sportlerinnen und Sportler sowie Sportinteressierte kam da das Wahl-Forum zum Thema Sport des LSB Sachsen-Anhalt zur richtigen Zeit. Sie nutzten am 19. Mai die Gelegenheit, um online ihre konkreten Fragen zur Sportförderung und zur Unterstützung für das Ehrenamt im Sport an die sportpolitischen Sprecher der Parteien zu stellen.

In dem knapp zweistündigen Format, das Politikwissenschaftlerin Romy Höhne moderierte, standen mit Carsten Borchert (CDU), Dr. Falko Grube (SPD), Thomas Lippmann (DIE LINKE), Sebastian Striegel (GRÜNE) und Andreas Silbersack (FDP) Rede und Antwort.
Silke Renk-Lange, Präsidentin des LSB Sachsen-Anhalt, machte in ihrem Statement zur Begrüßung klar, in welcher Rolle sich der Landessportbund sieht: „Der LSB Sachsen-Anhalt ist die größte gemeinnützige Personenvereinigung des Landes. Rund 350.000 Sportlerinnen und Sportler in mehr als 3.000 Sportvereinen sind ein großer Teil der Bevölkerung unseres Landes. Deshalb sehen wir uns als Sport in der gesellschaftlichen Verantwortung, der wir uns tagtäglich stellen. Das Ziel dabei ist klar definiert: Unsere Stimme, unsere Kompetenz und unsere Erfahrungen müssen in der gesellschaftlichen und der politischen Debatte in Zukunft mehr Gewicht haben!“, so Renk-Lange selbstbewusst. Das Wahl-Forum sieht die LSB-Präsidentin als einen wichtigen Baustein dazu, Wünsche und Forderungen des Sports klar zu definieren.

Welche Rolle spielt der Sport in Sachsen-Anhalt?
Da war es natürlich interessant, von den Sportpolitikern zu erfahren, welche Rolle für sie der organisierte Sport im Land spielt und wie sie gedenken, nach der Wahl die Kommunikation mit allen Ebenen des Sports zu pflegen. Bei der Bedeutung des Sports gab es eine sehr einhellige Meinung. Der Sport ist für Sachsen-Anhalt unverzichtbar. Er ist neben den Kirchen und den Feuerwehren eine von nur noch drei flächendeckenden Strukturen, die das gesellschaftliche Leben im Land prägen. Einig war man sich auch, dass dem Sport wieder mehr Autonomie zusteht. Während Andreas Silbersack (FDP) für eine bessere Wahrnehmung des Sports in der Landespolitik eine*n Staatssekretär*in für Sport und Ehrenamt ins Gespräch brachte, schlug Carsten Borchert (CDU) einen Sportbeirat vor. Die bestehenden Kommunikationsebenen, egal ob Sportkuratorium, Stiftung Sport oder die Treffen der sportpolitischen Sprecher mit dem LSB-Präsidium, sollten beibehalten werden, aber mit mehr Leben gefüllt werden. Carsten Borchert (CDU) schlug zusätzlich vor, die Tradition der Parlamentarischen Abende zum Thema Sport wieder aufleben zu lassen.

Dem Sport mehr Eigenverantwortung zugestehen
Interessant war auch die Fragestellung, wie man die bürokratischen Prozesse der Landesregierung besser mit der Lebensrealität von ehrenamtliche Tätigen in den Vereinen harmonisieren könne. Hier klang unisono an, dass man dem Sport in der neuen Legislaturperiode mehr Eigenverantwortung zugestehen sollte. „Die Verwaltung muss hier mehr loslassen. Entscheidungen sollten dort getroffen werden, wo sie notwendig sind“, betonte Carsten Borchert (CDU). Sebastian Striegel (GRÜNE) forderte sogar eine „neue Kultur des Vertrauens und weniger Misstrauen gegen Fördermittelempfänger.“ Während Andreas Silbersack (FDP) für eine Vereinfachung der Mittelbeantragung und Wiedereinführung von Pauschalen in der Förderung plädierte, waren sich Dr. Falko Grube (SPD) und Thomas Lippmann (DIE LINKE) einig, dass man einen „Kulturwandel bei der Fördermittelvergabe, weg von kleinteiligen Vorschriften und Verordnungen zu unbürokratischer Pauschalförderung mit Zielvorgaben kommen müsse. Nur so könne das Ehrenamt entlastet werden.

Schwerpunkte für die Sportstättenbauförderung
Auf die Frage, welche Schwerpunkte die Parteien zukünftig in der Sportstättenbauförderung setzen wollen, gab es die folgenden Antworten: Carsten Borchert (CDU) sieht Reserven im Ausschöpfen der EU-Fördermittel für den Sport. Thomas Lippmann (DIE LINKE) hob die gute Zusammenarbeit mit dem LSB bei der Sportstättenplanung mit den Förderinstrumenten „Sportatlas“ und „Prioritätenliste“ hervor und brachte einen zusätzlichen Schwimmbäderfonds ins Gespräch. Dr. Falko Grube (SPD) betonte, dass auch die SPD die Schwimmbäder zusätzlich zur normalen Sportstättenbauförderung auf der Agenda hat. Sebastian Striegel (GRÜNE) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Verteilungskämpfe um die Haushaltsmittel diesbezüglich nicht leichter werden. Grünen-Kandidatin Ex-Spitzenschwimmerin Antje Buschschulte würde schon dafür sorgen, dass auch die Schwimmbäder in Sachsen-Anhalt nicht zu kurz kommen. Andreas Silbersack (FDP) forderte deutlich mehr Geld für den Sportstättenbau. Seine Idee dafür: Sport und Sportanlagen müssen zukünftig auch eine Rolle in der Städtebauförderung auf Bundes- und Landesebene spielen.

Zum Stellenwert und der Förderung des Leistungssports
Zum Thema Stellenwert und Förderung des Leistungssports äußerten sich die Sportpolitiker so: Dr. Falko Grube (SPD) legte großen Wert auf die Feststellung, dass die aktuelle Leistungssportförderung unantastbar sei. Autonomie des Sports heißt für die SPD auch hier: Der Sport entscheidet, wie er die zur Verfügung stehenden Mittel verteilt. Thomas Lippmann (DIE LINKE) will vor allem das Talentfindungsprojekt mit Emotikon-Test an den Schulen, den Sachsen-Anhalt-Spiele und Talentgruppen weiter und verstärkt unterstützen. Andreas Silbersack (FDP) kritisierte hier die Regierungsparteien. Bundesstützpunkte in Sachsen-Anhalt würden auch wegbrechen, weil das Land nicht genügend in die Sportstätteninfrastruktur im Leistungssport investiere. Sebastian Striegel (GRÜNE) der es für richtig hält, dass der LSB im Leistungssport Prioritäten setzt und Mittel konzentriert, liegt am Herzen, dass die Special Olympics Bewegung in Sachsen-Anhalt von den World Games 2023 in Berlin profitiert. Carsten Borchert (CDU) sieht im Leistungssport Reserven bei den Eliteschulen des Sports. Hier müssen in Halle und Magdeburg Schulformen gefunden werden, die dem Leistungsanspruch der Nachwuchssportler*innen stärker gerecht werden.

Wie sieht moderner Sport in Sachsen-Anhalt in der Zukunft aus?
So lautete die spannende Schlussfrage des Wahl-Forums. Für Dr. Falko Grube (SPD) lebt auch moderner Sport von Traditionen. Auch das Thema Integration stehe für eine moderne Ausrichtung des Sports. „Wir sollten alles dafür tun, dass den Leuten Sport im Verein Spaß macht!“ so sein Statement. Thomas Lippmann (DIE LINKE) betonte, dass Sachsen-Anhalt im Sport viel zu bieten habe und ein Aushängeschild für Sachsen-Anhalt sei. Er sprach dabei die Absicherung von Spitzensportlern über Ausbildungsplätze auch im Öffentlichen Sektor an. Für Andreas Silbersack (FDP) ist für den Sport der Zukunft in Sachsen-Anhalt besonders wichtig, dass die Politik stärker als bisher die ausgewiesene Expertise des Sports nutzt. Sebastian Striegel (GRÜNE) sieht im modernen Sport einen Motor für gesellschaftliche Entwicklung, gerade auch in Sachen Integration und Inklusion. Zum modernen Sport gehört für ihn eine Zusammenarbeit des traditionellen Sports mit dem eSport. Für Carsten Borchert (CDU) soll moderner Sport das Grundbedürfnis der Menschen nach Bewegung vom Schulsport bis zum lebensbegleitenden Vereinssport fördern.

LSB-Präsidentin Silke Renk-Lange warf am Ende des kurzweiligen Wahl-Forums auch einen Blick in die Zukunft. „Direkt nach der Wahl werden wir uns dafür einsetzen, dass der Sport und das Sporttreiben angemessen im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung Berücksichtigung findet“, gab sich die Hallenserin kämpferisch. Mit einem konkreten Anliegen richtete sie ihr Schlusswort an die sportpolitischen Sprecher: „Machen Sie sich bitte in dieser Woche vor der Beschlussfassung der neuen Landesverordnung im Landeskabinett dafür stark, dass in Sachsen-Anhalt bei weiter sinkenden Corona-Infektionszahlen endlich auch wieder mehr Sport im Verein stattfinden kann“, so Silke Renk-Lange.