18.10.2021 - IdS

30 Jahre „Integration durch Sport“ in Sachsen-Anhalt

LSB-Vizepräsident Dirk Meyer und LSB-Vorstandsvorsitzender Tobias Knoch ehrten Projektleiter Viktor Jukkert mit der Ehrennadel des LSB in Gold für sein langjähriges Engagement.
LSB-Vizepräsident Dirk Meyer und LSB-Vorstandsvorsitzender Tobias Knoch ehrten Projektleiter Viktor Jukkert mit der Ehrennadel des LSB in Gold für sein langjähriges Engagement.
Das Bundesprogramm "Integration durch Sport" feierte sein 30-jähriges Bestehen in Sachsen-Anhalt mit einer großen Festveranstaltung in Halle. Am 17. Oktober waren dazu viele Gäste aus Sport und Politik sowie zahlreiche ehemalige und aktuelle Mitgestalter der Integrationsarbeit im Sport in Sachsen-Anhalt ins "Mercure Hotel" in Halle/Landsberg gekommen.

Seit nunmehr 30 Jahren engagiert sich der Landessportbund Sachsen-Anhalt im bundesweiten Programm „Integration durch Sport“ und kann dabei auf eine sehr umfangreiche und erfolgreiche Projektentwicklung zurückblicken. Während zunächst Zugewanderte aus der ehemaligen Sowjetunion in die Strukturen des organisierten Sports integriert wurden, engagiert sich der LSB Sachsen-Anhalt heute für die Partizipation und Teilhabe von Geflüchteten aus aller Welt. Zielstellung ist es, Menschen mit Migrationshintergrund unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder Einschränkungsgrad für Sportvereine zu begeistern. Drei Jahrzehnte gesellschaftliches Engagement des organisierten Sports, umgesetzt in den Vereinen, getragen von vielen tausend freiwillig Engagierten - und stets gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

In diesem Jahr also feiert das Programm sein 30-jähriges Jubiläum in Sachsen-Anhalt. Drei Dekaden, in denen aus einem Projekt ein Programm entstand und sich neben dem Namen auch das Integrationsverständnis grundlegend verändert hat: Von der einseitigen Anpassung zur interkulturellen Öffnung und einer Begegnung der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund auf Augenhöhe. Seit Beginn der Initiative haben hunderte Sportvereine und mehrere tausend Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte Unterstützung durch das Programm „Integration durch Sport“ erhalten und von der interkulturellen Expertise seiner Mitarbeiter*innen profitiert.

Zum Festakt waren zahlreiche Persönlichkeiten aus Sport und Politik erschienen, um dem Programm und der damit verbundenen Arbeit ihre Wertschätzung auszudrücken. Neben persönlichen Grußworten von Andreas Silbersack (Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes), Dirk Meyer (Vizepräsident des LSB Sachsen-Anhalt) und Tobias Knoch (Vorstandsvorsitzender des LSB Sachsen-Anhalt), berichtetet Dr. Christoph Bergner, ehemals Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt von 1993 bis 1994, über die Entstehungsgeschichte und die Anfangszeit des Programms. Sportsoziologe Prof. Dr. Sebastian Braun von der Humboldt Universität zu Berlin berichtete in seinem Vortrag über die Herausforderungen an die Bildung und Sportstrukturentwicklung in den neuen Bundesländern nach 1990.

Programmleiter Viktor Jukkert gab anschließend zahlreiche, bilduntermalte Einblicke in die Programmarbeit der letzten 30 Jahre in Sachsen-Anhalt. Alles begann im November 1991 mit der Übergabe eines Sportmobiles. Im Rahmen der Ausweitung des damaligen Bundesprojektes „Sport für alle – Sport mit Aussiedlern“ auf die neuen Bundesländer ging das Sportmobil auf Tour durch Sachsen-Anhalt und machte Station in Einrichtungen für deutschstämmige Aussiedler. Mit Hüpfburg und Kleinsportgeräten ausgestattet gelang es, den Kindern und Jugendlichen bei Sport und Spiel Berührungsängste zu nehmen und zauberte vielen Aussiedlerkindern ein Lächeln ins Gesicht. Parallel dazu begann der Aufbau eines Netzwerkes in den Sportvereinen des Landes. Erster Stützpunktverein war 1991 der ASV Sangerhausen. Der Verein ist bis heute in der Integrationsarbeit im Sport sehr aktiv. Der damalige Vereinsvorsitzende Klaus-Dieter Schmidt gilt als Pionier der ersten Stunde, der von der Kontaktaufnahme mit den Neuankömmlingen in Deutschland über erste Sportangebote bis hin zur Einbindung in die Vereinsarbeit viel für die Integration deutschstämmiger Aussiedler in Sangerhausen und Umgebung erreicht hat. Heute gibt es in Sachsen-Anhalt insgesamt 38 Stützpunktvereine und 47 Partnervereine und mobile Projekte. Sie leisten pro Jahr mit mehr als 300 Sportveranstaltungen und mit 107 Übungsleitern in 120 Sportgruppen eine umfangreiche und umfassende Integrationsarbeit im Sport für Migranten und Flüchtlinge. Auch prominente Sportler konnten für die Integrationsarbeit in Sachsen-Anhalt gewonnen werden. So unterstützen der ehemalige deutsche Schwergewichtsmeister im Boxen Timo Hoffmann im Boxclub Helbra und der ehemalige Fußballprofi René Tretschok mit seinem Fußballzentrum das Projekt als Stützpunkvereine. Beide waren natürlich Gäste der Jubiläumsveranstaltung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging Moderator Sven Kochale in ausgewählten Gesprächsrunden mit einige Akteuren der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in den Dialog, um ihnen und ihren Erfahrungen, Geschichten und Erlebnisse eine passende Bühne zu bieten. Diese Akteure und alle mit dem Programm verbundenen Stützpunktvereine, Partnervereine und Netzwerkpartner bilden das essentielle Fundament für die kommenden Jahre im Programm „Integration durch Sport“ und müssen sich nicht nur den aktuellen Herausforderungen durch die politische und pandemische Lage stellen, sondern ebenso auch weiterhin all den kleinen und großen Hindernissen und Unabwägbarkeiten des Alltags.

Als Zeichen der Anerkennung und zum krönenden Abschluss der Jubiläumsveranstaltung wurden zahlreiche Wegbegleiter*innen und Unterstützer*innen geehrt, die mit ihrem stetigen Einsatz und ihrer leidenschaftlichen, ehrenamtlichen Tätigkeit über viele Jahre und Jahrzehnte gemeinsam mit dem Programm „Integration durch Sport“ die interkulturelle Öffnung Sachsen-Anhalts geprägt und maßgeblich vorangebracht haben. Stellvertretend sei hier Programmleiter Viktor Jukkert genannt, der für sein jahrzehntelanges Engagement mit der Ehrennadel des LSB Sachsen-Anhalt in Gold ausgezeichnet wurde.

Im Einzelnen wurden beim der Jubiläumsveranstaltung geehrt:
Anke Hartel (Lok Stendal)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Viktor Schellert (DRK Stendal)
LSB-Ehrenurkunde für seine Vermittlungsrolle als Brückenbauer zwischen Netzwerkstrukturen und Sportvereinen
Wladimir Lawlinskij (TSG Wittenberg)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Susi Deloch (KSB Burgenland)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Walter Borchert (Chemie Wolfen)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Waldemar Riedel (ASV 1902 Sangerhausen)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Mark Levin (DLRG Leuna)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Vladislav Rogozhin (ISK Halle)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern
Ralf Glöckner (TSG Halle-Neustadt)
LSB-Ehrennadel in Silber für herausragende Arbeit, um Zugwanderten den Einstieg in die Sportlandschaft zu ermöglichen und zu erleichtern