„Es ist eine sehr dankbare Aufgabe“: Anja Pöppich über ihre Arbeit im Para Sport
Seit 2017 ist Anja Pöppich als leitende Landestrainerin für den paralympischen Sport beim Landessportbund Sachsen-Anhalt tätig. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Athletinnen und Athleten auf ihrem sportlichen Weg begleitet und die Entwicklung des Para Sports im Land maßgeblich mitgestaltet. Ihre vielseitige Arbeit ist geprägt von der Begleitung erfolgreicher Athletinnen und Athleten bei internationalen wie nationalen paralympischen Wettkämpfen sowie der Förderung neuer sportlicher Talente. Im Interview gibt sie Einblicke in ihren Berufsalltag, spricht über besondere Erfolge, die Zusammenarbeit im Netzwerk Sport und darüber, welche Ziele sie für die Zukunft des Para Sports in Sachsen-Anhalt verfolgt.

(© Lasse Lemke)
Seit wann bist du Trainerin und warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?
Seit Oktober 2017 bin ich beim Landessportbund Sachsen-Anhalt als Landestrainerin für den paralympischen Sport angestellt. Zu diesem Job bin ich damals eher durch einen glücklichen Zufall gekommen. Rückblickend war es aber genau die richtige Entscheidung. Das Arbeitsfeld ist unglaublich spannend und vielfältig. Kein Tag ist wie der andere und es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Gleichzeitig ist es eine sehr dankbare Aufgabe, vor allem wenn man sieht, welche Möglichkeiten und Perspektiven sich für die Sportlerinnen und Sportler eröffnen. Mittlerweile ist der Beruf für mich eine Berufung geworden.
Welche Athletinnen und Athleten betreust du und was war dein größter Erfolg mit ihnen?
Organisatorisch bin ich für alle Para Sportlerinnen und Para Sportler in Sachsen-Anhalt verantwortlich. Meine Schwerpunkte liegen dabei vor allem im Para Kanu, Para Schwimmen und in der Para Leichtathletik, welche durch hauptamtliche LSB-Trainerinnen und Trainern betreut werden. Darüber hinaus gibt es noch weitere viele weitere Sportarten wie zum Beispiel Rollstuhlbasketball oder Para Tischtennis, die ebenfalls zu unserem Netzwerk gehören.
Wenn ich auf die vergangenen Jahre schaue, gab es viele sportliche Höhepunkte. Besonders hervorzuheben sind natürlich die Bronzemedaille von Anja Adler bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris sowie die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft und die Goldmedaille im Kanu-Marathon 2025 und 2026. Auch Andrea Eskau hat mit ihren zahlreichen WM-Medaillen im Para Radsport und Para Ski nordisch herausragende Leistungen erzielt. Seit 2018 konnte sie insgesamt zehn WM-Medaillen im Para Radsport und neun im Para Ski nordisch gewinnen. Dazu kommen sechs Medaillen bei den Paralympischen Winterspielen 2018.
Ein weiterer großer Erfolg ist für mich, dass wir bei den Paralympischen Spielen 2021 in Tokio fünf und 2024 in Paris vier Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt am Start hatten. Neben der Medaille von Anja Adler konnten auch weitere Sportlerinnen und Sportler mit starken Leistungen und Top-10-Platzierungen überzeugen.
Was macht es so besonders, hier in Sachsen-Anhalt Trainerin zu sein?
Was Sachsen-Anhalt für mich besonders macht, ist vor allem die gute Gemeinschaft und die Zusammenarbeit im „Netzwerk Sport“. Hier arbeiten Vereine, Sportlerinnen und Sportler, Trainer sowie verschiedene Institutionen eng zusammen. Man kennt sich, unterstützt sich gegenseitig und versucht gemeinsam, den Sport weiterzuentwickeln.
Außerdem hat man in seiner Arbeit viel Verantwortung, aber auch die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und Dinge aktiv mitzugestalten. In den vergangenen Jahren haben sich auch die Arbeitsbedingungen zunehmend verbessert. Besonders schön ist es natürlich, wenn man sieht, dass sich die gemeinsame Arbeit auszahlt, sei es durch sportliche Erfolge im Leistungssport oder durch die positive Entwicklung und Förderung einzelner Sportlerinnen und Sportler.
Welche Ziele hast du in naher Zukunft und in fünf Jahren?
Ein großes Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für den Para Sport in Sachsen-Anhalt weiter zu verbessern. Dazu gehört für mich vor allem, inklusive Sportangebote auszubauen, und zwar vom Breitensport bis hin zum Leistungssport. Jeder sollte die Möglichkeit haben, unabhängig von einer Behinderung Sport treiben zu können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Barrierefreiheit. Gerade an den beiden Eliteschulen des Sports und in den dazugehörigen Internaten gibt es noch Entwicklungspotenzial. Hier müssen wir bessere Voraussetzungen schaffen, damit Sachsen-Anhalt auch langfristig ein attraktiver Standort für talentierte Para Sportlerinnen und Para Sportler bleibt.
Genauso wichtig ist es, das Ehrenamt zu stärken und neue Menschen dafür zu gewinnen. Es bildet nach wie vor die Grundlage für einen funktionierenden Sportbetrieb. Gleichzeitig brauchen wir mehr hauptamtliche Trainerstellen, denn sie sind eine wichtige Voraussetzung dafür, den Leistungssport nachhaltig weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus möchte ich mich weiterhin dafür einsetzen, den Para Sport bekannter zu machen und ihm mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wir müssen noch stärker dafür sensibilisieren, welche Möglichkeiten es gibt und welche sportlichen Talente vielleicht bisher noch gar nicht entdeckt wurden. Die Talentsichtung muss deshalb auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
Was macht für dich eine gute Trainerin bzw. einen guten Trainer aus und was würdest du angehenden Trainerinnen und Trainern gerne mit auf den Weg geben?
Gerade im Para Sport ist es besonders wichtig, dass der Mensch im Vordergrund steht und nicht die Behinderung.
Natürlich braucht ein guter Trainer fundiertes Fachwissen. Mindestens genauso wichtig sind aber Eigenschaften wie Empathie, Geduld und die Fähigkeit, auf jeden Sportler individuell einzugehen.
An angehende Trainerinnen und Trainer würde ich vor allem den Rat geben, keine Angst davor zu haben, Fragen zu stellen und offen für Neues zu bleiben. Wichtig ist, sich selbst immer weiterzuentwickeln und auch aus Erfahrungen zu lernen. Dazu gehört eine gewisse Ausdauer, denn gerade im Sport läuft nicht immer alles nach Plan. Rückschläge gehören dazu.
Und ganz wichtig: Man sollte Freude daran haben, Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu begleiten.