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Sportpolitik

Ehrenamt fördern, Entlastung schaffen

| Hanif Shangama

Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit – der organisierte Sport braucht politische Rückendeckung.

© DOSB

Sachsen-Anhalt hat sich mit seiner Engagementstrategie zur nachhaltigen Förderung von Ehrenamt und Engagement verpflichtet. Ein Ziel, das der organisierte Sport im Land ausdrücklich unterstützt – denn kaum ein Bereich lebt so sehr vom freiwilligen Einsatz wie der Sport. Die vielfältige Vereins- und Verbandslandschaft in Sachsen-Anhalt trägt wesentlich zu einem zukunftsfähigen Sportangebot, moderner Infrastruktur und hoher Lebensqualität im Land bei. Möglich ist das nur, weil Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Ehrenamtlich und freiwillig Engagierte leiten und organisieren den Vereinsbetrieb, entwickeln Sportangebote, betreuen Kinder und Jugendliche und kümmern sich um Infrastruktur und Veranstaltungen. Sie sind es, die Sport in Sachsen-Anhalt tagtäglich möglich machen. „Ohne Ehrenamt kein Sport: Freiwillig Engagierte halten Vereine und sportliche Angebote am Leben", bringt es Hardy Gnewuch, Präsident des SV Halle e.V.  auf den Punkt.

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Engagierten. Rechtliche Vorgaben, Ressourcenmangel, bürokratische Hürden und steigende Anforderungen an Qualifikation und Teilhabe machen ehrenamtliche Arbeit zunehmend anspruchsvoll. Viele Vereine stehen vor wachsenden Herausforderungen: steigende Kosten, hohe bürokratische Anforderungen sowie zusätzliche Aufgaben, etwa beim Kinder- und Jugendschutz. Zugleich wird es immer schwieriger, Menschen für ein längerfristiges Engagement in Verantwortung im Verein zu gewinnen. Gründe dafür sind unter anderem veränderte Lebensrealitäten, die fehlende Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf oder der demografische Wandel. Viele Engagierte stoßen bereits heute an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Besonders spürbar wird das beim Nachwuchs: „Die Gewinnung von Nachwuchs für ehrenamtliche Tätigkeiten wird immer herausfordernder“, so Hardy Gnewuch. „Unsere Ehrenamtlichen werden älter, doch junge Engagierte rücken zu selten nach. Der Nachwuchs fehlt."

Konkrete Forderungen an die Sportpolitik

Mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September 2026 macht der LSB Sachsen-Anhalt deutlich, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit Ehrenamt und Engagement im Sport auch künftig tragfähig bleiben:

  1. Sport zentral in der Staatskanzlei verankern – für ressortübergreifendes Handeln und eine Stärkung des Sports im Sinne der Landesverfassung.
  2. Die Überarbeitung des Sportfördergesetzes mit dem Ziel ein umfassendes Sportgesetz zu implementieren, welches alle Arbeits- und Handlungsfelder im organisierten Sport berücksichtigt.
  3. Engagement mit Schule, Studium und Beruf vereinbar machen – durch die Stärkung schulischen Lernens durch und mit Engagement, Anreize in der Arbeitswelt wie Freizeitausgleich und Kompetenzanerkennung sowie eine Vorbildfunktion des öffentlichen Dienstes.
  4. Freiwilligendienste langfristig sichern – mit einer beständigen, bedarfsgerechten Förderung aus Landesmitteln und einem Einsatz auf Bundesebene für Ausbau und Attraktivität.
  5. Ehrenamt sichtbar machen und anerkennen – durch Ehrungs- und Austauschformate zwischen Engagierten und politischen Akteuren.
  6. Eine landesweite Ehrenamtskarte einführen und weitere Vergünstigungen prüfen, etwa eine Förderung des Deutschlandtickets.
  7. Auf Bundesebene aktiv werden: für die Ausweitung des Freistellungsgesetzes auf privates Ehrenamt, eine Erhöhung der Ehrenamtspauschale und die Prüfung einer Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Rentenberechnung.

Warum es jetzt darauf ankommt

Die Forderungen sind Teil der sportpolitischen Positionen, mit denen der LSB Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl auf die Parteien zugeht. Sie richten sich an eine einfache Erkenntnis: Wer Vereine und Verbände zukunftsfähig halten will, muss die Menschen stärken, die sie tragen.

Wahlprüfsteine des LSB - Antworten der Politik zum Ehrenamt

Auf die Frage, wie ehrenamtliches Engagement gestärkt und Vereine entlastet werden können antworteten die einzelnen Parteien unterschiedlich: 

Alle sieben Parteien erkennen das Ehrenamt als tragende Säule des organisierten Sports an, und der Abbau von Bürokratie sowie die Digitalisierung von Verfahren werden – mit Ausnahme der eher zurückhaltenden CDU-Antwort – von SPD, Grünen, BSW, AfD und FDP explizit als zentrale Stellschraube benannt. Mehr Anerkennung für Engagierte wird ebenfalls von nahezu allen Parteien betont.

Leichte Abweichungen zeigen sich bei der Frage, worauf Verlässlichkeit aufbauen soll: SPD, BSW und FDP setzen auf Planungssicherheit durch stabile Förderbedingungen, während Grüne und AfD stärker auf konkrete finanzielle bzw. kartenbasierte Anreize setzen und Die Linke Verlässlichkeit vor allem über eine gesetzliche Grundlage herstellen will. Klar unterscheidbar ist die Position der Linken, die als einzige Partei ein konkretes Gesetzesvorhaben (Wiedereinbringung des Ehrenamtsgesetzes) verfolgt und eine feste Konsultationszusage gegenüber dem LSB macht.

Beim Grad der Konkretheit reicht die Spanne von der CDU, die mit "denkbar wäre ein Gremium" eher eine offene Frage als eine Lösung formuliert, bis zu sehr konkreten Einzelinstrumenten wie der Erhöhung von Ehrenamtspauschale und Taschengeld (Grüne), dem Tag des Ehrenamtes und der Ehrenamtskarte (AfD) oder der einmaligen Datenabfrage und gezielten Lizenzförderung (FDP).

Das komplette Statement von Hardy Gnewuch, SV Halle e.V.: Instagram

Alle sportpolitischen Forderungen: Sportpolitische Forderungen - Landessportbund Sachsen-Anhalt e. V.

Antworten der Parteien auf Wahlprüfsteine des LSB: Positionen der Parteien - Landessportbund Sachsen-Anhalt e. V.

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