Frauen in Führungspositionen - Dinah Pfizenmaier
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ruft mit der Initiative „Mehr Frauen in Führung – ich committe mich!“ Führungskräfte im organisierten Sport dazu auf, sich sichtbar und verbindlich für mehr Frauen in Führungspositionen einzusetzen.
Heute: Dinah Pfizenmaier, Referentin Trainerpool Anti-Doping-Beauftragte

(© Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB))
Dinah, inwiefern haben deine Erfahrungen als Frau deinen Weg zur Führungskraft geprägt? Welche persönlichen Erfahrungen sind dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Eigentlich sollte es gar kein Thema sein, ob man als Frau oder als Mann eine Führungsrolle einnimmt. Dennoch wird es häufig noch als etwas Besonderes wahrgenommen, wenn Frauen solche Positionen innehaben. Für mich standen immer Leistung, Fachlichkeit und Ergebnisse im Vordergrund. Wenn diese stimmen, sollte es keine Rolle spielen, ob sie von einem Mann oder einer Frau erbracht werden, auch nicht im organisierten Sport oder im Leistungssport.
Als ich Chefverbandstrainerin im Tennis war, war ich die einzige Frau in dieser Position in Deutschland. Für viele war das etwas Besonderes, für mich selbst war es dagegen einfach meine Aufgabe und mein Alltag. Trotzdem gab es Situationen, in denen ich gemerkt habe, dass Frauen in Führungsrollen noch immer genauer beobachtet oder teilweise anders bewertet werden. Manchmal wurde ich automatisch als „Ausnahme“ wahrgenommen. Das kann motivieren, bringt aber gleichzeitig auch zusätzlichen Druck mit sich.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, wie selten Frauen in vergleichbaren Positionen vertreten waren. Häufig war ich die einzige Frau im Raum. Das prägt natürlich die eigene Wahrnehmung. Ich habe das jedoch nie negativ aufgefasst, sondern eher versucht, diese Situation auch als Chance zu sehen und eine Vorbildrolle einzunehmen. Denn Sichtbarkeit ist wichtig. Wenn Frauen in Führungspositionen präsent sind, zeigt das anderen Frauen, dass diese Wege möglich sind. Ich hoffe, dass ich jüngere Trainerinnen motivieren konnte und weiterhin motivieren kann, selbst Verantwortung zu übernehmen und Führungsrollen anzustreben.
Gleichzeitig habe ich auf meinem Weg auch viel Unterstützung erlebt, durch Menschen, die mich (unabhängig vom Geschlecht) gefördert und mir Verantwortung zugetraut haben. Ich hatte tolle Trainerkollegen und Kolleginnen in den Geschäftsstellen, mit denen die Zusammenarbeit immer konstruktiv und auf Augenhöhe war. Gerade solche Erfahrungen zeigen, wie wichtig ein professionelles und wertschätzendes Umfeld ist. Ich habe mich in meiner Rolle als Chefverbandstrainerin dadurch immer wohl gefühlt und verbinde viele positive Erfahrungen damit.
Heute, in meiner Arbeit im LSB und in der Verantwortung für viele Trainerinnen und Trainer, ist es mir besonders wichtig, Strukturen aktiv mitzugestalten. Ich wünsche mir, dass Frauen im Sport künftig nicht mehr als Besonderheit in Führungsrollen wahrgenommen werden, sondern als selbstverständlicher Teil von Verantwortung, Entscheidung und Entwicklung.