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Leistungssport

Olympia-Rückblick mit LSB-Sportvorstand Thomas Krüger

| Tobias Richter

Zwei Wochen Olympische Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind vorüber. Gemeinsam mit LSB-Sportvorstand Thomas Krüger blicken wir auf das Abschneiden des Teams Sachsen-Anhalt, sprechen über die Bedeutung des Bobsports für das Bundesland und über eine mögliche deutsche Olympiabewerbung.

Gold für Sachsen-Anhalt hieß es auch bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand & Cortina d'Ampezzo.
(© Team Deutschland / Philipp Reinhardt)

Herr Krüger, wie ordnen Sie das Abschneiden der Athletinnen und Athleten Sachsen-Anhalts bei den Olympischen Winterspielen 2026 ein?

Wir haben eine sehr, sehr gute Ausbeute erzielt. Natürlich sticht die Goldmedaille von Thorsten Margis heraus. Für ihn waren es die vierten und letzten Olympischen Winterspiele. Dass er nach seinem Wechsel zum Team Lochner zu Saisonbeginn nicht nur den Gesamtweltcup, sondern auch seine fünfte olympische Goldmedaille holt, macht ihn zum erfolgreichsten Bob-Sportler bei Olympischen Spielen. Nach den letzten Austragungen in Pyeongchang und Peking waren die Spiele in Mailand und Cortina für Thorsten sicherlich auch persönlich etwas Besonderes – mit der Familie und vielen Bekannten vor Ort.

Zweimal Silber für Alexander Schüller ist ebenfalls ein herausragendes Ergebnis. Vor allem seine erste Medaille im Zweierbob, wo auf dem Bremser deutlich mehr Verantwortung liegt, ist ein großer Erfolg. Er hat sein Weltklasse-Niveau bestätigt. Wir freuen uns und sind gespannt auf die nächsten Olympischen Winterspiele mit ihm.

Aber auch Talea Prepens, die erst vor Kurzem von unserem Landestrainer Birk Lösche für den Bobsport begeistert werden konnte, hat als Anschieberin für einige der besten Startzeiten in der Frauenkonkurrenz gesorgt und fährt bei ihren ersten Spielen einen vierten Platz nach Hause. Das ist Wahnsinn!

Nicht vergessen möchte ich Ersatzmann Tim Becker, der sich jederzeit bereithalten musste und sicher viele Erfahrungen und Eindrücke mitgenommen hat. Er ist gerade einmal 23 Jahre alt - ich bin sicher, dass seine Zeit noch kommt.

Wir sind wahnsinnig stolz auf dieses Gesamtergebnis: drei Medaillen mit der Power aus Sachsen-Anhalt.

Wie schätzen Sie das Abschneiden im nationalen Vergleich ein?

Zunächst einmal hatten wir vier Athletinnen und Athleten im Team Deutschland vertreten. Bei insgesamt 185 Sportlerinnen und Sportlern sind das 2,1 Prozent. Obwohl wir kein klassisches Wintersportland sind, liegen wir damit im Verhältnis zur Einwohnerzahl Sachsen-Anhalts zur Bundesrepublik – rund 2,6 Prozent – absolut im Schnitt. Bei der Medaillenausbeute wird es noch deutlicher: 26 Medaillen für Team D insgesamt, drei davon mit Beteiligung aus Sachsen-Anhalt – das sind 11,5 Prozent. Das ist überproportional erfolgreich.

Hinzu kommt auch das tolle Abschneiden von Christopher Grotheer. Er startet zwar nicht für unseren Olympiastützpunkt, ist aber in Wernigerode geboren und war hier früher Skispringer, bevor er zum Skeleton gewechselt ist. Zu seinem Karriereabschluss nach langwierigen Verletzungen zweimal Bronze zu holen, ist stark.

Leider hat es für Toni Eggert nicht für Edelmetall gereicht. Er hat den Rodelsport in Ilsenburg über Jahre geprägt. Die Teilnahme an Olympischen Spielen und eine Platzierung auf dem 4ten Rang runden eine herausragende sportliche Karriere ab.

Welche Bedeutung hat der Bobsport für Sachsen-Anhalt?

Auch wenn wir vor allem im Rodeln in den vergangenen Jahren sehr gute Erfolge vorzuweisen hatten, sind wir natürlich kein klassisches Wintersportland. Die grandiosen Erfolge unserer Bob-Anschieber in den letzten Jahren haben Sachsen-Anhalt bei Olympischen Winterspielen jedoch absolut salonfähig gemacht.

Mit der modernen Bobanschubbahn in Magdeburg haben wir am Landesstützpunkt auch im nationalen Vergleich optimale Bedingungen. Ein großer Dank geht dabei an den Rodel- und Bobsportverband um Präsident Dr. Ronald Brachmann sowie an die verantwortlichen Trainer Wolfgang Kühne vom SV Halle und Birk Lösche beim Mitteldeutschen SC. Was hier über Jahre aufgebaut wurde, verdient großen Respekt.

Ich freue mich sehr darüber, dass diese lange und kontinuierliche Arbeit ihre verdiente Anerkennung findet. Die vorhin angesprochenen Ergebnisse lassen uns definitiv positiv in die Zukunft blicken.

Wie geht es jetzt für die Sportlerinnen und Sportler weiter?

Erst einmal geht es in die verdiente Pause und in den Urlaub. Nach einem solchen Saisonhöhepunkt fällt sicherlich eine große Last ab. Für Thorsten Margis beginnt nach dem Ende seiner leistungssportlichen Laufbahn ein neuer Lebensabschnitt.

Gespannt bin ich aber jetzt schon auf die Paralympischen Spiele. Hier haben wir mit Andrea Eskau vom USC Magdeburg im Para Langlauf und Para Biathlon eine herausragende Athletin am Start. Da freue ich mich schon besonders drauf. Los geht es am 6. März.

Am 24. März 2026 ehren wir dann unsere Athleten und Athletinnen. Dann findet in der Staatskanzlei der offizielle Rückempfang mit Ministerpräsident Sven Schulze statt. Kombiniert wird dies wieder mit der Berufung des Juniorteams Sachsen-Anhalt.

Auch hier sind zwei Athletinnen aus Wintersportarten dabei: Sarah Neitz, die Bobsportlerin vom Mitteldeutschen SC, sowie Kim-Amy Duschek, eine sehr talentierte Nachwuchsskispringerin aus Wernigerode. Von beiden werden wir in Zukunft sicher noch viel hören.

Wie stehen Sie zu einer deutschen Olympiabewerbung?

Da brauchen wir nicht lange drumherum zu reden: Wir wollen die Olympischen Spiele in Deutschland! Alle Kolleginnen und Kollegen aus dem LSB fiebern dem weiteren Bewerbungsprozess für die Sommerspiele entgegen.

Wir sehen die vielen positiven Aspekte – für den Sport, die Wirtschaft und den innerdeutschen Zusammenhalt in der Bevölkerung. Meiner Einschätzung nach ist der Rückhalt in der Bevölkerung an den vier möglichen Standorten vorhanden – und das ist immens wichtig. 

Ziel muss es darüber hinaus sein, jetzt eine deutlich größere Unterstützung seitens der Politik sowohl für den Breiten- als auch für den Leistungssport zu ermöglichen. Nur das legt die Basis für nationale und vor allem internationale Erfolge. Hier sind uns andere Nationen einen Schritt voraus. Wichtige Schritte mit diversen Förderpaketen sind bereits getan, aber das sollte aus meiner Sicht nur der Anfang für die Nachhaltigkeit und die Zukunftssicherung des Sports sein.

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Thomas Krüger (m.) ist seit Oktober 2025 Sportvorstand des LSB Sachsen-Anhalt
(© LSB Sachsen-Anhalt)

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