"Die Haltung nach außen tragen"
Wie stärkt man den Zusammenhalt? Zum 35jährigen Jubiläum des Bundesprogramms »Integration durch Sport« in Ostdeutschland stellen wir in unserer Interviewreihe die Menschen, Vereine und Netzwerke hinter dem Programm vor. Teil 1 mit Cornelia Müller vom 1. FC Zeitz aus Sachsen-Anhalt.

Cornelia Müller wartet bereits vor dem Vereinshaus ihres Fußballklubs. Das dunkelgrüne Shirt des 1. FC Zeitz erkennt man bereits von Weitem. Seit vielen Jahren unterstützt die gelernte Erzieherin den Verein, den Sie aus Kindertagen kennt, ehrenamtlich. Vor sechs Jahren wurde die Zeitzerin schließlich zur Integrationsbeauftragten ihres Klubs ernannt.
Frau Müller, sie sind in Zeitz geboren und aufgewachsen. Wie ist ihr Bezug zum 1. FC Zeitz?
Ich bin praktisch im Stadion groß geworden, mein Vati und mein Opa sind mit mir jeden Sonntag ins Stadion gegangen. Das Motto war: Wurst, rote Brause und Fußball spielen! (lacht) Mittlerweile bin ich selbst Fußballmutti, mein Sohn spielt auch im Verein. Und deswegen unterstütze ich den Verein auch schon so lange.
Der Klub hat einen vergleichsweise hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen. Wie schaffen Sie es, so viele zu erreichen?
Der Nachwuchsfußball liegt uns einfach sehr am Herzen. Aus den kleinen Bambinis werden ja irgendwann mal die ganz Großen. Häufig bekommen wir über Veranstaltungen neue Kinder und Jugendliche dazu. Da leihen wir uns häufig eine Socceranlage vom Programm Integration durch Sport für die Kinder aus. Und wenn wir da begeisterte Kinder sehen, fragen wir deren Eltern, ob sie Lust haben, bei uns im Verein zu spielen. Und so werden es dann immer mehr.
Sie sind sowohl die Integrationsbeauftragte für die Stadt Zeitz als auch für den 1. FC Zeitz. Ist das ein Vorteil?
Ja, durch die Arbeit bei der Stadt hatte ich schon eine Reihe an Kontakten und Netzwerken als ich die Aufgabe für den Fußballklub übernommen habe. Es gibt deswegen auch kaum einen Tag im Stadion, an dem ich nicht von einer Familie um Hilfe gebeten werde. Da geht es oft auch um Papierkram, das Einreichen von Unterlagen oder um Behördengänge. Häufig greife ich in dem Zusammenhang auch auf Beratungsstellen wie die Migrationsagentur in Naumburg oder das Ukrainische Zentrum in Zeitz zurück.
Klingt so, als wenn Sie ein ganz schön großes Spektrum an Aufgaben übernehmen?
Ja, das stimmt. Aber ich lebe und liebe meine Arbeit im Verein. Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Als gelernte Erzieherin weiß ich einfach wie viel der Sport zur Integration beitragen kann.
Zum Beispiel?
Ich denke, er kann vor allem Sprachbarrieren überwinden. Denn im Fußball gibt es ja eine Kommunikation unabhängig von der Sprache. Vor einiger Zeit gab es einen kleinen Jungen bei uns, der hatte große Schwierigkeiten dabei, Kontakte zu finden. Als er bei seinem ersten Punktspiel ein Tor geschossen hat, kam er zu mir und meinte: »Danke, dass ich Fußball spielen darf.« Auf dem Platz hatte er plötzlich gar keine Kontaktschwierigkeiten mehr.
Kam es denn schon mal zu Anfeindungen in ihrem Verein?
In den letzten Jahren so gut wie gar nicht. Wenn die Kinder zum Training kommen oder jemand ein Tor geschossen hat, umarmen sie sich und klatschen sich ab. Das ist dann völlig egal, woher sie kommen. Ansonsten passen die Kinder und die Trainer sehr genau darauf auf, dass Respekt und Toleranz geachtet werden. Das wird auch immer gegenüber allen kommuniziert. Als es früher mal zu Anfeindungen kam, hat der Trainer eine Ansprache gegenüber den Kindern gehalten und ist auch auf die Familien der Kinder zugegangen.
Was glauben Sie, warum Ihnen das so gut gelingt, diese Werte hochzuhalten?
Das liegt daran, dass wir unsere Haltung auch nach außen tragen. In unserem Leitbild steht, dass wir eine Gemeinschaft verschiedener Generationen, Geschlechter, Nationalitäten und Charaktere sind. Und das tragen wir auch in die Öffentlichkeit mit den Veranstaltungen, die wir machen. Dazu gehören beispielsweise auch die Interkulturellen Wochen, bei denen wir vertreten sind. Gleichzeitig war es uns als Verein auch wichtig, nochmal ein Statement in unserer Satzung zu setzen und zu sagen: Bei uns können wirklich alle Fußball spielen, egal welcher Nationalität, welcher Herkunft oder welchen Glaubens.
Und wie gelingt Ihnen das vor Ort im Verein, die Integration voranzutreiben?
Ich glaube, indem wir Raum für Begegnung schaffen. Neben unserer wöchentlichen offenen Sportgruppe machen wir ja auch Zelt- und Trainingslager, außerdem machen wir jedes Jahr eine Jahresabschlussfeier. Da gibt es dann ein Mitbringbüffet, bei dem Essen aus den unterschiedlichsten Nationalitäten mitgebracht wird. Wir haben mittlerweile sechs Familien, die sich in unserem Verein über ihre Kinder kennengelernt haben und sich regelmäßig privat treffen.
Text: Anna Hoffmeister
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Förderhinweis:
Das Programm „Integration durch Sport“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Der LSB Sachsen-Anhalt erhält für das Programm zudem eine Ko-Finanzierung durch das Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt.