
Die Fachkompetenz und langjährige Erfahrung der Sportorganisationen sind zentrale Erfolgsfaktoren moderner Sportpolitik – sie müssen verbindlich in politische Strategien einfließen.
Frage
Welche Rolle messen Sie dem organisierten Sport – insbesondere Vereinen, Verbänden und dem Landessportbund Sachsen-Anhalt – bei der Gestaltung und Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen bei?
Zusammenfassung
Die Bedeutung des organisierten Sports wird von allen Parteien ausdrücklich anerkannt. Vereine, Verbände und der Landessportbund werden parteiübergreifend als wichtige Partner bei der Gestaltung und Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen verstanden.
SPD, FDP, GRÜNE und BSW betonen besonders die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Landessportbund und dessen Einbindung in politische Entscheidungen. Die FDP hebt dabei vor allem die Autonomie des Sports hervor. CDU und Die Linke stellen die tragende Rolle der bestehenden Vereins- und Verbandsstrukturen in den Mittelpunkt. Die AfD beschreibt den Landessportbund insbesondere als Schnittstelle zwischen Politik, Verbänden und Vereinen sowie als Ansprechpartner bei der Umsetzung sportpolitischer Vorhaben.
Antworten der Landesregierung
Der Sport ist in der Bundesrepublik Deutschland dezentral in Vereinen organisiert. Diese bilden das Grundgerüst allen gemeinschaftlichen sportlichen Betätigens. Mit der Organisation in Fachverbänden, die ihrerseits Mitglied im Landessportbund sind, ist die Basis nicht nur für ein erfolgreiches Agieren auf Trainings- und Wettkampfebene geschaffen. Diese horizontale Struktur bietet außerdem effektiv die Möglichkeit zur Gestaltung und Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen.
Auf diese Weise können sowohl sportspezifische Themen als auch gesellschaftliche Themengebiete wie Vielfalt, Integration oder die Beteiligung von Senioren in die Breite der Vereine getragen werden. Für die CDU kommt dem organisierten Sport eine entscheidende, nicht genug zu betonende Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen zu.
Der organisierte Sport ist einer der wichtigsten Träger des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Sachsen-Anhalt. Mehr als 380.000 Menschen engagieren sich in Vereinen, Verbänden und im Landessportbund. Dort wird nicht nur Sport organisiert, sondern auch Demokratie gelebt, Ehrenamt gestärkt und Integration ermöglicht. Deshalb verstehen wir den Landessportbund und seine Mitgliedsorganisationen nicht als Empfänger staatlicher Sportpolitik, sondern als gleichberechtigte Partner. Ihre Fachkompetenz und ihre Erfahrungen vor Ort müssen frühzeitig und verbindlich in sportpolitische Entscheidungen einbezogen werden.
Das gilt für die Weiterentwicklung der Sportförderung ebenso wie für Fragen der Sportstättenentwicklung, der Bewegungsförderung, des Leistungs- und Breitensports sowie des Ehrenamts. Gute Sportpolitik entsteht nicht am Schreibtisch, sondern im Austausch mit denjenigen, die den Sport jeden Tag organisieren. Das hat sich bewährt. Diesen partnerschaftlichen Ansatz werden wir mit unseren Abgeordneten auch künftig fortsetzen.
Der organisierte Sport ist für uns Freie Demokraten ein unverzichtbarer Partner der Sportpolitik. Mit rund 380.000 Mitgliedern in fast 3.000 Vereinen ist er die größte Personenvereinigung in Sachsen-Anhalt und prägt Eigenverantwortung, Gesundheit, Bildung, Leistungsbereitschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sportpolitische Entscheidungen müssen deshalb mit denjenigen entwickelt werden, die Sport täglich ermöglichen: Vereinen, Fachverbänden, Kreis- und Stadtsportbünden sowie dem Landessportbund.
Ihre praktische Erfahrung ist besonders wichtig bei Sportförderung, Sportstättenentwicklung, Nachwuchs- und Leistungssport, Inklusion, Integration und Digitalisierung.
Unser Anspruch ist: Der Staat soll den Sport nicht bevormunden, sondern ermöglichen. Der organisierte Sport braucht frühe Beteiligung, verlässliche Ansprechpartner und eine Verwaltung, die Probleme löst, statt neue Hürden zu schaffen. Wir streben die größtmögliche Autonomie des Sports an.
Antworten der Opposition
Vereine, Verbände und Landessportbund bilden die unverzichtbare Grund- und Organisationstruktur sowohl für den Breiten- als auch den Leistungssport. Wir betrachten sie als ineinandergreifende Zahnräder. Während die etwa 3.000 Vereine in der Fläche wirken, sind die Fachverbände und der Landessportbund die Interessenvertretung der Vereine gegenüber der Politik und zugleich An-sprechpartner der Politik zu Umsetzung von Maßnahmen. Beispiel: Die AfD fordert in ihrem Programm zur Landtagswahl 2026, dass jedes Kind Schwimmen lernen muss. Hierbei können die Vereine durch Prüfungsabnahmen ihrer ehrenamtlichen Sportleiter und Prüfer Hilfestellung leisten. Dies gilt auch für die von uns angestrebten landesweit durchgeführten Bundesjugendspiele mit Wettkampfcharakter. Ansprechpartner als „Transmissionsriemen“ wäre von Seiten der Politik der Landessportbund, der über die Fachverbände oder Sektionen an die Vereine mit der Bitte herantritt Personen zu benennen, die entsprechend ihren Qualifikationen (Abnahmeberechtigungen) den schulischen Sportunterricht unterstützen.
Sport ist mehr als Freizeitbeschäftigung. Er stärkt Gesundheit, Zusammenhalt und Demokratie, verbindet Stadt und Land und schafft Begegnungsorte für Menschen aller Generationen. Der organisierte Sport unter dem Dach des LSB mit seinen mehr als 3.000 Mitgliedsorganisationen spielt dabei die entscheidende Rolle. Ohne diese Struktur der Sportorganisation wäre eine stabile und dynamische Entwicklung nicht möglich. Die tausenden Ehrenamtlichen, die mit ihrer engagierten und kompetenten Arbeit gemeinsam mit Vereinsvorständen, Manager*innen und hauptamtlichen Trainer*innen die Bedingungen für den Übungs-, Trainings- und Spielbetrieb schaffen, bilden die Grundlage für das Funktionieren des Breiten-, Behinderten- und Leistungssports. Ohne den LSB und seine Arbeitsstrukturen wäre die Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Der organisierte Sport ist mit über 380.000 Mitgliedern in Sachsen-Anhalt die größte Bürgervereinigung im Land. Wir wollen daher sportpolitische Entscheidungen partnerschaftlich mit dem Landessportbund treffen und gemeinsam Prioritäten entwickeln. Dabei sind uns neben neuen Impulsen für die Zukunft, Kontinuität und Verlässlichkeit sowie die Stärkung der Autonomie des Sports wichtig. Wir befürworten die Einbeziehung des LSB bei der Konzipierung von Projektförderungen und Mittelvergaben. Und wir möchten mit dem LSB gemeinsam die Möglichkeit eines Sport-Beirats diskutieren, der sportliche Belange, auch über den Zuständigkeitsbereich des Sportkuratoriums beim Innenministerium hinaus, stärker in den Blick nehmen kann.
Antwort außerparlamentarische Opposition
Für das BSW Sachsen-Anhalt ist der organisierte Sport ein unverzichtbarer Partner der Sportpolitik. Vereine, Verbände und der Landessportbund kennen die tatsächlichen Herausforderungen vor Ort oft besser als die Politik. Deshalb wollen wir sie nicht nur anhören, sondern ihre Expertise verbindlich in politische Entscheidungen einbeziehen. Sportpolitik kann nur erfolgreich sein, wenn sie gemeinsam mit denjenigen gestaltet wird, die täglich Verantwortung in Vereinen, Verbänden und Ehrenämtern tragen. Der Landessportbund Sachsen-Anhalt ist dabei für uns der zentrale Ansprechpartner für die Entwicklung und Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen.