
Viele Vereine stehen vor wachsenden Herausforderungen: steigende Kosten, hohe bürokratische Anforderungen sowie zusätzliche Aufgaben, z. B. beim Kinder- und Jugendschutz. Zugleich wird es immer schwieriger, Menschen für ein längerfristiges Engagement in Verantwortung im Verein zu gewinnen. Gründe sind unter anderem veränderte Lebensrealitäten, fehlende Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf oder der demografische Wandel. Viele Engagierte stoßen bereits heute an ihre Grenzen.
Frage
Wie wollen Sie in der folgenden Legislatur vorgehen, um ehrenamtliches Engagement im Sport zu stärken und Vereine spürbar zu entlasten? Bitte erläutern Sie, wie Sie Verfahren vereinfachen, Verlässlichkeit stärken und den Zusammenhalt im Sport sichern wollen.
Zusammenfassung
Alle sieben Parteien erkennen das Ehrenamt als tragende Säule des organisierten Sports an, und der Abbau von Bürokratie sowie die Digitalisierung von Verfahren werden – mit Ausnahme der eher zurückhaltenden CDU-Antwort – von SPD, Grünen, BSW, AfD und FDP explizit als zentrale Stellschraube benannt. Mehr Anerkennung für Engagierte wird ebenfalls von nahezu allen Parteien betont.
Leichte Abweichungen zeigen sich bei der Frage, worauf Verlässlichkeit aufbauen soll: SPD, BSW und FDP setzen auf Planungssicherheit durch stabile Förderbedingungen, während Grüne und AfD stärker auf konkrete finanzielle bzw. kartenbasierte Anreize setzen und Die Linke Verlässlichkeit vor allem über eine gesetzliche Grundlage herstellen will. Klar unterscheidbar ist die Position der Linken, die als einzige Partei ein konkretes Gesetzesvorhaben (Wiedereinbringung des Ehrenamtsgesetzes) verfolgt und eine feste Konsultationszusage gegenüber dem LSB macht.
Beim Grad der Konkretheit reicht die Spanne von der CDU, die mit "denkbar wäre ein Gremium" eher eine offene Frage als eine Lösung formuliert, bis zu sehr konkreten Einzelinstrumenten wie der Erhöhung von Ehrenamtspauschale und Taschengeld (Grüne), dem Tag des Ehrenamtes und der Ehrenamtskarte (AfD) oder der einmaligen Datenabfrage und gezielten Lizenzförderung (FDP).
Antworten der Landesregierung
Ehrenamtliches Engagement in den Vereinen ist unverzichtbar. Die von Ihnen geschilderten Umstände entfalten trotz ihrer Einfachheit komplexe Wirkung. Ein Beispiel ist die Schwierigkeit der Gewinnung Ehrenamtlicher für einen langfristigen Zeitraum. Hier gibt es keine Patentrezepte. Eine Attraktivität eines ehrenamtlichen Engagements, z. B. im Übungsleiterbereich, für sich reicht nicht aus. Sofern es an den Lebensumständen liegt, sind sicher pragmatische Lösungen gefragt.
Allgemein sind neben Freude an gemeinschaftlicher sportlicher Betätigung vielfach auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Vereinsleben ein entscheidender Faktor.
Denkbar wäre an dieser Stelle die Einsetzung eines Gremiums, das sich mit diesen Fragestellungen befasst. Dabei kann es aber nur um Austausch und Effektivierungen gehen. Umstände wie steigende Kosten oder die Erfüllung gesetzlicher Standards für sich sind nicht fakultativ. Sprechen kann man darüber, wie ein besserer Umgang damit gelingt.
Der organisierte Sport lebt vom Ehrenamt. Deshalb wollen wir die Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement weiter verbessern. Unser Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, Förderverfahren einfacher und digitaler zu gestalten und Förderprogramme verlässlicher auszugestalten. Vereine brauchen Planungssicherheit statt immer neuer Antrags- und Nachweispflichten.
Zugleich wollen wir das Ehrenamt insgesamt weiter stärken. Dazu gehören bessere Anerkennung, Qualifizierungsangebote und Rahmenbedingungen, die es erleichtern, Verantwortung im Verein mit Familie und Beruf zu vereinbaren. Gerade junge Menschen müssen früh für ehrenamtliches Engagement begeistert und auf dem Weg in Vorstands- und Leitungsfunktionen begleitet werden.
Für uns ist klar: Sportvereine sind weit mehr als Orte der Bewegung. Sie vermitteln Gemeinschaft, Fairness und Verantwortung und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Arbeit verdient auch künftig die verlässliche Unterstützung des Landes.
Wir wollen Anträge vereinfachen, digitale Verfahren ausbauen und Bearbeitungsfristen verbindlicher machen. Daten sollen nur einmal abgefragt werden. Kleine Vereine brauchen einfache Nachweise und verständliche Ansprechpartner. Förderprogramme müssen so gestaltet sein, dass sie auch ohne hauptamtliche Verwaltung leistbar sind.
Darüber hinaus wollen wir ehrenamtliches Engagement stärker anerkennen: durch mehr Sichtbarkeit, bessere Vereinbarkeit mit Schule, Studium und Beruf sowie die langfristige Sicherung der Freiwilligen-dienste im Sport. So sollen eine Ehrenamtskarte oder ähnliche Anreize eingeführt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Qualifizierung. Trainer- und Übungsleiterlizenzen sollen attraktiver, zugänglicher und stärker unterstützt werden. Gute Vereinsarbeit braucht engagierte Menschen und einen Staat, der ihnen Zeit für das Ehrenamt lässt.
Antworten der Opposition
Wir wollen das Ehrenamt stärken und ehren. Es ist gesamtgesellschaftlich unverzichtbar. Nicht nur im Sport. Die AfD-Fraktion hat einen Tag des Ehrenamtes begangen und Preise verliehen. Eine AfD-geführte Landesregierung wird einen landesweiten Tag des Ehrenamtes einrichten und Ehrenamtliche mit Preisen und Prämien würdigen.
Alle bestehenden Vergünstigungen für Ehrenamtler bleiben im Fall unserer Regierungsübernahme unangetastet. Wir werden prüfen, ob die Einführung einer Ehrenamtskarte, die wir in unserem Programm zur Landtagswahl fordern, mit dem Sachsen-Anhalt-Ticket verbunden werden kann.
Bezüglich einer Vereinfachung von Verfahren, insbesondere der Beantragung von Zuschüssen aus Bundes- und EU-Mitteln, wird die oberste Sportbehörde des Lan-des eine ständige Beratungsstelle als Anlaufstelle für Vereine einrichten.
Wir haben bereits in der vorletzten und auch in der zu Ende gehenden Wahlperiode den Entwurf für ein „Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes“ in den Landtag eingebracht. Da es beide Male von der jeweiligen Regierungskoalition abgelehnt wurde, bleibt die Aufgabe bestehen, für die Förderung des Ehrenamtes insgesamt eine verlässliche gesetzliche Grundlage zu schaffen. Deshalb werden wir zum Beginn der neuen Wahlperiode einen erneuten Anlauf zu unternehmen. Die ehrenamtliche Arbeit in den Sportvereinen spielt dabei eine wichtige Rolle. Dabei muss klar sein, dass Anerkennung wichtig, aber längst nicht alles ist. Denn Ehrenamt braucht zur Unterstützung auch das Hauptamt und einfachere Zugänge zu Fördermitteln. Deshalb werden wir unseren letzten Entwurf des Ehrenamtsgesetzes mit allen maßgeblichen Ehrenamtsorganisationen im Land – also auch mit dem LSB – schon vor der erneuten Einbringung noch einmal intensiv beraten, damit die Maßnahmen dann auch wirksam für das Ehrenamt sind.
Wir setzen uns dafür ein, das Ehrenamt im Sport zu stärken, indem wir die Ehrenamtspauschale erhöhen und die Anerkennung verbessern, denn ohne ehrenamtliches Engagement wäre der Sport in seiner heutigen Form nicht möglich. Wir wollen die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf verbessern, indem wir Anrechnungsregeln prüfen, bürokratische Hürden abbauen und Kinderbetreuungsangebote im Ehrenamt fördern. Zudem setzen wir uns ein für ein zeitgemäßes Bildungszeitgesetz ein. Die Freiwilligendienste wollen wir bekannter machen, Zugangshürden abbauen, das Taschengeld erhöhen und die Rahmenbedingungen für die Träger verbessern.
Antwort Partei außerhalb des Parlaments
Das Ehrenamt ist die Grundlage des Sports in Sachsen-Anhalt. Ohne die vielen Engagierten in den Vereinen würde der Sport nicht funktionieren. Deshalb müssen wir die Bedingungen für dieses Engagement spürbar verbessern. Ein wichtiger Punkt ist weniger Bürokratie. Viele Vereine sind mit Anträgen, Nachweisen und neuen Vorgaben stark belastet. Hier wollen wir Verfahren vereinfachen und stärker digitalisieren. Ebenso brauchen die Vereine mehr Verlässlichkeit. Häufige Änderungen bei Förderbedingungen oder zusätzlichen Anforderungen erschweren die Arbeit im Ehrenamt unnötig. Zudem braucht es mehr Anerkennung und praktische Entlastung für die Engagierten, damit Verantwortung im Verein nicht zur Überlastung wird. Ziel ist, dass Menschen im Ehrenamt wieder mehr Zeit für den Sport selbst haben und nicht im Verwaltungsaufwand stecken.